Energiekonzept (Energieautarkie 2035 im Landkreis Freising)

  1. Biomasse
  2. Planen und Bauen
  3. Solarenergien
  4. Wärmepumpen
  5. Energienutzungsplan
  6. Energieberatungsstelle

Einleitung

Der Landkreis Freising hat sich zum Ziel gesetzt, im Jahr 2035 energieautark zu sein. „Energieautarkie“ bedeutet, dass der Energieverbraucher lokal verfügbare Energieträger und -quellen nutzt und nicht von externen Energielieferungen abhängig ist. Derzeit wird erst etwa 50 % der benötigten Energie durch lokale Energiequellen abgedeckt. Um das ehrgeizige, aber absolut richtige Ziel zu erreichen, setzt sich der JU-Kreisverband Freising im Rahmen dieses Konzepts mit den Techniken, die unserer Meinung nach die größten Potenziale aufweisen, auseinander.

 

Biomasse

Als Biomasse wird die Gesamtheit organischer Substanzen bezeichnet. Bei der Verwendung dieses nachwachsenden Rohstoffs zur Erzeugung von Wärme und/ oder elektrischem Strom wird daher eine ausgeglichene CO2-Bilanz erreicht, da nur so viel Kohlenstoffdioxid ausgestoßen wird, wie vorher in der Biomasse (u.a. Pflanzen, biologisch abbaubarer Müll) gebunden wurde.

Als feste Brennstoffe zur Wärme- und Stromgewinnung bieten sich Hackschnitzel, Holzpellets, Getreide, Stroh sowie ähnliche Stoffe an.

Weiterhin kommen Kraftstoffe in Frage, die durch das „Biomass-to-Liquid-Verfahren“, also die Verflüssigung von Biomasse, hergestellt worden sind. Diese Methode befindet sich derzeit noch in der Entwicklung.

Für den Einsatz in einzelnen Gebäuden eignen sich Kraftstoffe auf Biomasse-Basis, die in Verbrennungsmotoren von Blockheizkraftwerken eingesetzt werden können. Hierzu zählen Biodiesel und Pflanzenöl.

Des Weiteren kommt der Einsatz von Biogasanlagen in Betracht.

Der Anteil von Biomasse an Erneuerbaren Energien steigerte sich von 3,8% im Jahr 1995 auf 10,1% in 2010.

Wichtige rechtliche Grundlagen stellen vor allem die Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung (BioSt-NachV), das Biokraftstoffquotengesetz sowie die Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung (Biokraft-NachV) dar.

 Forderungen:

  1. Dezentrale Energieversorgung auf kommunaler Ebene:• Aufbau eines Nahwärmenetzes, primär mit Versorgungsstrecken, um kommunale Einrichtungen zu versorgen.• Besondere Einbeziehung von Großverbrauchern (Industrie, Gewerbe und Handwerk), beim Ausbau bzw. der Dimensionierung von Förderstrecken.
  2. Basierend auf dieser Infrastruktur sollten private Haushalte, sowie Kleingewerbe auf Wunsch versorgt werden können.
  3. Einsatz von Partikelfiltern in Holzheizungen –> Bewussterer Umgang mit der Gefahr der Feinstaubbelastung.

Ziele:

  1. Schaffung von Arbeitsplätzen für den Mittelstand.
  2. Energieverbrauchssenkung durch wirkungsstärkere, zentrale Heizanlagen.

Planen und Bauen Allgemeines

Energiesparendes Planen/Bauen und Modernisieren bedeutet, ein Gebäude bereits in der Entwurfsphase ganzheitlich zu planen, das Gebäude Ressourcen schonend zu errichten oder zu modernisieren sowie bei dessen Nutzung einerseits durch ein Minimum an Energie und durch reduzierte Gebäudetechnik auszukommen sowie andererseits dabei gleichzeitig ein Maximum an Behaglichkeit für den Bewohner zu gewährleisten. Die Nutzerbedienung unterliegt der Selbstverantwortung, daher besteht gerade in diesem Bereich ein hohes Einsparpotenzial.

 

Planungsprozess und Bautechnik

Ziel der Planung und Bautechnik ist die Minimierung der Wärmeverluste eines Gebäudes sowie die Optimierung der Wärmegewinnung und des internen Wärmetransportes, was durch eine kompetente Planung und hohe Qualität der handwerklichen Ausführung erreicht werden kann.

Besondere Bedeutung beim energiesparenden Planen/Bauen und Modernisieren kommt der Gebäudehülle als Schnittstelle zwischen dem Nutzer im Gebäude und dem Außenklima zu.

Modernisieren / Sanieren

Bei der Modernisierung von Gebäuden können durch Wärmeschutzmaßnahmen, die Nutzung von Sonnenenergie und effizientere Wärme- und Kälteerzeugung enorme Einsparpotentiale erzielt werden. Zusätzliche Anreize in diesem Bereich werden durch das CO2-Gebäudesanierungsprogramm geliefert.

Energiestandard in Deutschland

Wohnhäuser aus den 60er und 70er Jahren benötigen etwa 300 kWh/(m2a). Der durchschnittliche Verbrauch der Gebäude in Deutschland liegt zurzeit bei etwa 220 kWh/(m2a). Die bis 2002 geltende Wärmeschutzverordnung

(WSchVO) schrieb für Neubauten einen Höchstwert von 100 kWh/(m2a) vor. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Deutschland fördert Häuser mit weniger als 60 bzw. 40 kWh/(m2a) mit dem Förderprogramm „KfW- Energiesparhaus 60 bzw. 40“. Mit der Sanierung der Häuser mit Baujahr vor 1980 auf Niedrigenergiehausstandard können zwei Drittel des Energiebedarfs aller Häuser eingespart werden.

Raumheizung und Warmwasser verbrauchen etwa ein Drittel des gesamten Primärenergiebedarfs in der Bundesrepublik. Größte Verbraucher sind dabei die privaten Haushalte. Um die daraus resultierenden Umweltbelastungen zu verringern gilt es, Energie aus Öl, Gas und Kohle effizient einzusetzen und verstärkt auf erneuerbare Energien zurückzugreifen.

Niedrigenergiehaus

Die Bezeichnung „Niedrigenergiehaus“ erfolgt bei einem jährlichen Heizenergiebedarf von max. 70 kWh/(m2a) für ein Einfamilienhaus, 65 kWh/(m2a) bei einem Reihenhaus bzw. 50 kWh/(m2a) bei einem Mehrfamilienhaus.

EnEV 2009-Haus

Die Energiesparverordnung EnEV 2009 bildet die Referenz, die ein Neubau heute erreichen muss. Im Vergleich zur EnEV 2002 wurde der Energiebedarf eines Neubaus um 30 Prozent gesenkt.

Effizienzhaus

Das Effizienzhaus 100 als Standardhaus orientiert sich an den Anforderungen des aktuell gültigen EnEV-Hauses. Entsprechend darf ein Effizienzhaus 40 höchstens 40% der Energie eines EnEV-Hauses benötigen.

Passivhaus

Das Passivhaus bietet im Gegensatz zu einem Gebäude mit traditioneller Bauweise ganzjährig eine angenehme Raumtemperatur ohne den konventionellen Einsatz einer Heizung.

Null-Energie-Haus

Ein Null-Energie-Haus erzeugt, über ein ganzes Jahr betrachtet, so viel Energie, wie es verbraucht. Je nach Ausführung sorgen Sonnenkollektoren, Pufferspeicher und Photovoltaik-Anlagen für das Erreichen dieses Ziels.

Energie-Plus-Haus

Als Weiterentwicklung des Null-Energie-Hauses soll das Energie-Plus-Haus sogar einen Energieüberschuss erzeugen.

Forderungen:

  1. Überprüfung der kommunalen Gebäude und Einrichtungen im Landkreis Freising auf deren Energieeffizienz und die Wirtschaftlichkeit einer möglichen energetischen Sanierung (Vorbildfunktion)
  2. Verstärkte Nutzung der staatlichen Förderprogramme durch den Landkreis Freising bei der Errichtung neuer öffentlicher, gewerblicher sowie privater Bauvorhaben oder Modernisierungsmaßnahmen
  3. Ausbau öffentlicher Informations- und Beratungsstellen sowie verbesserte Kommunikation von Fördermöglichkeiten und neuen Technologien.
  4. Energiezertifizierung kommunaler Einrichtungen muss über das Internet für den Bürger sofort einsehbar sein. Hierdurch bietet sich für Kommunen eine weitere Werbemöglichkeit als „energieeffiziente, moderne Gemeinde“
  5. Ausrichtung der kommunalen Bauplanung auf den sinnvollen Einsatz erneuerbare Energien, insbesondere auch der Einsatz von Nahwärmeversorgung

 

Solarenergie

Allgemein

Solarenergie ist für Bayern und vor allem auch für den Landkreis Freising wegen der im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlichen Sonnenstunden besonders interessant.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen solarthermischen Anlagen und Photovoltaik. Bei ersterem wird Sonnenenergie als Wärme genutzt, während bei Photovoltaikanlagen Strom aus Sonnenenergie erzeugt wird.

Thermische Solarkollektoren

Thermische Solarkollektoren werden zur Wärmegewinnung aus Sonnenstrahlung verwendet. Der Wirkungsgrad dieser Kollektoren liegt zwischen 60 und 75 %, also vor allem im Vergleich zu anderen regenerativen Technologien auf einem hohen Niveau.

Abbildung: Schematische Darstellung einer Thermischen Solaranlage Quelle: Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e.V.

 

Photovoltaik

Bei der Photovoltaik erzeugen beschichtete, meist aus Silizium bestehende Module Gleichstrom, der über einen Wechselrichter ins Stromnetz eingespeist wird.

Der Wirkungsgrad liegt bei der Photovoltaik zwischen 10% und 16 %.

Abbildung: Schematische Darstellung einer Photovoltaikanlage

Forderungen:

  1. Die Dachflächen in Neubaugebieten soweit möglich nach Süden ausrichten.
  2. Den Einsatz von thermischen Solarkollektoren in Privathaushalten wieder stärker fördern.
  3. Bei Neubau oder Renovierung von kommunalen und öffentlichen Gebäuden den Einsatz von solarthermischer Heizungsunterstützung (z.B. Schulen, Mehrzweckhallen) und Photovoltaikanlagen verstärken.

Wärmepumpen

Allgemeines

Das Funktionsprinzip ähnelt dem der geothermischen Energiegewinnung. Der größte Unterschied ist, dass hierbei oberflächennähere Schichten genutzt werden, um Wärme zu gewinnen und für den Menschen nutzbar zu machen.

Am Weitesten verbreitet ist bisher das Prinzip der Kompressions-Wärmepumpe. Die Wärmepumpe entzieht dem Erdreich oder der Umgebungsluft Wärme und speichert sie in einem isolierten Wasserspeicher. Dazu ist

Arbeit erforderlich, die von einem Kompressor aufgebracht wird.

Der große Vorteil einer Wärmepumpe gegenüber einer konventionellen Heizanlage liegt im höheren Wirkungsgrad, da sie mehr Wärmeenergie generiert als ihr in Form von elektrischer Energie zugeführt wird. Ein Nachteil ist, dass die Pumpe ab einer bestimmten Luft- bzw. Erdtemperatur nicht mehr hinreichend effizient arbeitet und durch eine Zusatzheizung unterstützt werden muss.

Durch eine zeitgesteuerte Wärmepumpenanlage, kann elektrischer Strom (für den Kompressor) vor allem zu Zeiten genutzt werden, zu denen eine niedrige Grundlastausnutzung vorliegt. Dies ist vor allem nachts der Fall, da Strompreise zu diesen Zeiten vergleichsweise niedrig sind.

Forderung:

Verstärkter Einsatz von Wärmepumpen im Bereich der Brauch-und Heizwassererzeugung für private Haushalte, oder kleine, nicht zentral heizbare Gebäude.

 

Energienutzungsplan

Damit die Gemeinden ihre Beitragsmöglichkeiten zur Energiewende voll ausschöpfen können, ist es erforderlich zu wissen, was im Bereich des Machbaren liegt. Ein Energienutzungsplan ermöglicht den Gemeinden, eine sinnvolle, transparente und langfristige Energiepolitik betreiben zu können. Er bildet die zukünftig mögliche energetische Entwicklung ab. Von einem Energienutzungsplan können nicht nur die Gemeinden profitieren, sondern auch Bürger und private Investoren, die aus diesem Plan sinnvolle Maßnahmen/ Investitionen im Hinblick auf erneuerbare Energien entnehmen können.

Forderung:

Erstellung eines Energienutzungsplans, damit die Gemeinden einen Überblick über die bestehende und mögliche Energieversorgung erhalten

 

Energieberatungsstelle

Vielen Bürgern im Landkreis ist nicht bekannt, dass sich der Einsatz erneuerbarer Energien bzw. die energetische Sanierung mittelfristig finanziell lohnt. Zudem ist weitgehend unbekannt, welche Fördermittel hierfür zur Verfügung stehen. Jedoch sind es gerade die Bürger, die einen erheblichen Anteil zur Energiewende beitragen können, ja sogar müssen.

Forderung:

Errichtung einer Energieberatungsstelle im Landratsamt Freising als Anlaufpunkt für Fragen der Landkreisbürger bei der Umsetzung der Energiewende.

 

Statement zum Schluss

Das Ziel des Landkreises Freising, die Energieautarkie bis zum Jahr 2035 zu erreichen, ist immer noch möglich, verlangt aber sowohl von den öffentlichen Stellen als auch von den Bürgern bei Weitem größere Anstrengungen als bisher zu erkennen sind.

Am effektivsten sind sicherlich Maßnahmen, mit denen sich Energie einsparen lässt. Bei der Gebäudesanierung bestehen enorme Sparpotenziale. Die Umsetzung ist zwar zuweilen kostenintensiv, jedoch auch für finanzschwächere Bürger aufgrund der geringeren Energiekosten interessant. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, die Bürger auf die verschiedenen Möglichkeiten sowie die einzelnen Förderprogramme (Kfw-Kredite) hinzuweisen und darüber aufzuklären. Hierfür fordert der JU-Kreisverband Freising die Einrichtung einer Energieberatungsstelle.

Des Weiteren sollten der Landkreis sowie die Gemeinden verstärkt ihrer Vorbildfunktion nachgehen und sämtliche Möglichkeiten, erneuerbare Energien zu produzieren, ausschöpfen.